Wir kehren um
Wir kehren um …
Der grosse Traum vom United Kingdom schien uns recht schnell ausgeträumt. Nach den wenigen, teuren Stellplätzen bemerken wir auch noch das Fehlen des passenden Gasadapters. Drei Tage sind wir auf der Suche danach. Doch schliesslich finden wir ihn und können unsere Flaschen volltanken. Der Kaffee ist gesichert, das ist die halbe Miete. Viel fehlt nicht mehr und wir kehren um. Doch dann gewöhnen wir uns langsam, sehen schöne Orte und kommen endlich in Schottland an. Die erste Station ist Eyemouth, ein kleines Fischerstädtchen mit Charme.



Küsten, Klippen, Golf
Vorwiegend der Küste entlang geht es nordwärts weiter. Ein Golfplatz reiht sich an den nächsten, der Küstenstreifen scheint daraus zu bestehen. Zwar ist das auch lustig, die Bahnen führen teilweise über Einschnitte der Klippen hinweg, da unten könnte man bestimmt tonnenweise Golfbälle sammeln. Auch viele Wanderwege führen über die Klippen, die sich wie an- und aufeinander geschobene Platten erheben. Dazwischen leuchtend grünes Seegras, zarte Blumen, ein Phantasyland der Natur. In North Berwick wandern wir auf The Law, einen Vulkanberg mit freilaufenden Ponys und einem herrlichen Panoramablick. Die Firth of Forth – Brücken versetzen uns in Staunen. 3 Brücken unmittelbar nebeneinander, 1 für Eisenbahn, 1 für Autos und 1 für Busse, Taxis, Fussgänger und Fahrräder.



Immer nordwärts
In Charlestown sehen wir uns die Kalköfen aus dem 17. Jh an. Diese waren bis 1953 in Betrieb, sicherten Schottland eine gewisse Unabhängigkeit. Sogar einen eigenen Hafen gab es. Bis West Wemyss folgen wir noch der Küste, dann schneiden wir einen Zipfel ab und fahren durch das Hinterland zum Firth of Tay, eine weitere Brücke führt hier nach Dundee. Obwohl in Schottland, ist es nicht viel einfacher, Stellplätze zu finden. Zwischen den grossen Städten gibt es einige Naturschutzgebiete. Hier ist das Übernachten erlaubt, so sehen und geniessen wir viel Natur. Übermannshohes Farn, noch nie gesehene Blumen, sich selbst überlassene Wälder. In Fraserburgh gelangen wir wieder an die Küste. Jetzt geht es bis Inverness westlich, ab dort kommt erneut Festland Richtung Nord.


Rosehearty
Hier bleiben wir hängen. Der Stellplatz vom Boat Club liegt in einer schönen Bucht, sie bieten Strom, Ver- und Entsorgung für 15 Pfund pro Nacht, dazu 3 für 2. Kurzentschlossen checken wir für 3 Nächte ein. Markus „zügelt“ unsere Webseite, wir machen ausgedehnte Spaziergänge und erholen uns. Das Wetter ist Schottisch herb, angenehme Temperaturen und mindestens einmal täglich ein Regenschauer. Es gibt viel zu tun, so hängen wir nochmal 3 Nächte an. Peter, der Betreiber, empfiehlt uns, Butteries zu probieren. Eine Art Brötchen, ziemlich salzig, aber äusserst lecker. Zudem folgen wir seinem Rat, die Fish and Chips zu kosten, auch dies ein köstlicher Tipp. Nach einer Woche Rosehearty ziehen wir weiter, noch kehren wir nicht um..



Entlang der Küste bis Inverness
Es geht via Pennan, ein kleines Nest, eingebettet zwischen die roten Klippen, nach Banff und Portgordon, wo sich die Robben am Strand tummeln und im Wasser mit den Wellen spielen. Sie beobachten uns genauso aufmerksam wie wir sie.
Absolut eindrucksvoll ist das Eisenbahnviadukt bei Culloden mit 29 Bögen, unter einem davon stellen wir ab. Das Echo darunter ist gewaltig. Neben den Clava Cairns, eine 4000 Jahre alte Grabstätte mit Steinkreisen, ist in der Nähe auch das Culloden-Battlefield, wo 1746 die grosse Schlacht zwischen Engländern und Highländern stattfand.
Wir erreichen Inverness, die Hauptstadt der Highlands. Südlich davon liegt Loch Ness, das lassen wir aus. Vor der Stadt gibt es die Ness Island, den Fluss Ness, den Nessie wahrscheinlich schon lange genutzt hat um ins Meer abzuhauen…






Beginn der NC500
Über die Kessock Bridge fahren wir auf die Black Island, eine Halbinsel, drehen da eine Runde und gelangen über die Cromarty Bridge zurück aufs „Festland“. Jetzt folgen wir der ultimativen Touristenstrasse, der NC500, welche in Inverness beginnt. Die Landschaft wird karger und noch weiter. Manchmal ist die Strasse etwas erhöht, der Blick über die Weiden bis hin zum Meer ist atemberaubend. In Skelbo am Loch Fleet fläzen sich die Robben auf einer nahen Sandbank, warten auf die Flut. Noch ein Stück weiter liegt Golspie, wo wir zum Burn Wasserfall wandern. Vor uns liegt die Nordsee, hinter uns erheben sich die Berge, die mit nur 400-600 m Höhe doch schon baumlos und karg sind.



Wir sind da
In Wick, der letzten grösseren Stadt an der Ostküste, kaufen wir nochmal ein. Dann geht es nach John O’Groates, dem nordöstlichsten Punkt auf dem Festland. Ein gewaltiges, imposantes Erlebnis. Die roten Klippen präsentieren sich wie aufgetürmte Bauklötze, 2 mahnende Finger erheben sich aus dem Meer. Ein Stück weiter gibt es einen Einschnitt in die Klippen. Hunderte von Möwen brüten in diesem „Tal“ in den grasbewachsenen Nischen. Das Geschrei, wenn sie durchfliegen, erzeugt ein immenses Echo.
Vor der Umkehr steht jetzt noch Dunnet Head an. Dies ist die nördlichste Stelle des Festlandes. Hier draussen gibt es einen Leuchtturm, ein paar Häuser und Überreste von Bunkern aus dem 2. Weltkrieg. Gegenüber die Inseln Stroma und Orkney. Nicht so beeindruckend wie John O’Groates, aber doch etwas ganz Besonderes, hier zu stehen.



Wir sind froh, dass wir erst jetzt umkehren. Weiter nördlich geht es auf dem Festland nicht mehr. Das Abenteuer Grossbritannien ist noch nicht vorbei.
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Immer wieder tolle Beiträge meiner Frau 😊